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Hypnose und der Mythos vom Kontrollverlust - Aufräumen mit Vorurteilen aus der Showhypnose



Hypnose ist nicht gleich Hypnose. Sie muss an erster Stelle einmal kategorisiert werden. Es gibt die Show-, die therapeutische- und die klinische Hypnose.


Wann immer ich ein Erstgespräch führe räume ich mit den Vorurteilen gegen Hypnose auf, die sich aus der Showhypnose in den Köpfen und im Volksmund festgesetzt haben:

  • die Kontrolle über seinen Willen und Körper zu verlieren

  • sich an nichts mehr erinnern zu können

  • der Hypnotiseur|in schutzlos ausgeliefert zu sein

  • Dinge sagt und tut, die man nicht sagen und tun möchte

  • sich im Anschluss an nichts mehr erinnert und nicht weiß, was mit einem gemacht wurde


Dabei ist eine Unterhaltungsshow weder hinsichtlich der Zielstellung, noch der Atmosphäre vergleichbar mit einer privaten und vertrauensvollen therapeutischen Sitzung.


Das geschieht tatsächlich in einer therapeutischen Hypnose:

  • Hypnose kann nur mit deiner Einwilligung geschehen

  • Du kannst dich jederzeit aus der Trance reißen, wenn du willst

  • Du bekommst mit was die Hypnotiseur|in sagt und tut

  • du kannst kontrollieren, was du sagst, tust und preis gibst

  • du erinnerst dich im Anschluss an das was wir gemacht haben

  • Es wird dabei unterstützt die Kontrolle über Psyche und Körper zurückzugewinnen.


Und so funktioniert die Show/-Bühnenhypnose:


Vollständiger Kontrollverlust und dann auch noch Amnesie.... genau so wurde es so oft im Fernsehen gezeigt und so hat es sich in den Gedächtnissen derer, die eine Showhypnose gesehen haben, eingebrannt. Dabei ist eine Showhypnose nichts weiter, als ein clever verpackter Test der Hypnotisierbarkeit. Denn es braucht ein umfangreiches Auswahlverfahren, um ein paar Teilnehmer|innen zu finden, die so hochhypnotisierbar sind, dass eine Amnesie, auf die abgezielt wird, erzeugt werden kann. Das Bild eines Marionettenspielers, der die Macht über die Teilnehmer|innen hat, soll erzeugt werden.


All das findet in einer therapeutischen Hypnose aber nicht statt. Und so einen Zustand zu erreichen ist nicht einfach und braucht A. Den Willen der Teilnehmer die vollständige Kontrolle zu verlieren, B. viele Teilnehmer und C. ein intensives Auswahlverfahren.


Step 1 - Die erste versteckte Einwilligung: Es gibt KEINE Bühnenhypnotiseur|in, die von sich behauptet, jeden Menschen hypnotisieren zu können, geschweige denn Willenlos zu machen. Im Gegenteil. Manche lassen sich vor einer Show vertraglich eine Mindestteilnehmeranzahl zusichern, damit sich auf jeden Fall Teilnehmer|innen finden lassen, die vorgeführt werden können. Das erreichen dieser seltenen Amnesiefähigkeit und Beeinflussbarkeit ist das Ziel der Show und nur ca.10% der Teilnehmer|innen überhaupt möglich. Showhypnotiseur|innen sind hervorragend darin ausgebildet, solche Menschen aus einer Masse herauszufiltern.

Die erste versteckte Einwilligung ist der Gang zu einer Hypnoseshow. Jeder der zu einer Bühnenhypnose geht, weiß hier werden Teilnehmer|innen aus dem Publikum aufgefordert auf die Bühne zu kommen und dazu gebracht sich peinlich und erniedrigend zu verhalten. Niemand dem so etwas zu wieder ist, würde zu einer Showhypnose gehen oder wäre gar hypnotisierbar. Grundvoraussetzung für eine Hypnose ist immer die Einwilligung. Sowohl bei der Showhypnose, als auch bei der therapeutischen Hypnose braucht es die Einwilligung der zu hypnotisierenden Person. Ohne geht nichts! Und hier wird der vermeintliche Kontrollverlust widerlegt. Bei der Showhypnose erfolgt die Einwilligung unbewusst und erzeugt so Schritt für Schritt den Eindruck des Kontrollverlustes.


Bei der therapeutischen Hypnose hingegen erfolgt die Einwilligung bewusst. Ich frage meine Klient|innen vor jeder einzelnen Sitzung, ob ich sie hypnotisieren darf. Denn ohne Zustimmung und innere Bereitschaft, ist eine Hypnose nicht durchführbar.


Step 2 - Die zweite versteckte Einwilligung: Eben noch gedacht: "Vielleicht steh ich heute auf der Bühne...", ruft die Showhypnotiseur|in eine große Anzahl an Freiwilligen auf nach vorne zu kommen. Wer zuvor noch gedacht hat, das probiere ich auf jeden Fall aus, hat jetzt noch die Möglichkeit zu entscheiden, ob er oder sie sich in der Öffentlichkeit lächerlich machen möchte oder nicht. Die Mutigen und neugierigen gehen auf die Bühne und geben somit ihre zweite versteckte Einwilligung zur Hypnose.


Step 3 - Die Katalepsietests: Die Showhypnotiseur|in führt die Teilnehmer|innen in die Trance mit einer sogenannten Tranceinduktion. Im Anschluss daran werden dann auch schon die ersten Tests durchgeführt, um die Hypnotisierbarkeit und Trancetiefe zu ermitteln. Diese Tests nennen sich Katalepsietests, Katalepsie beschreibt einen Starrzustand der Muskeln und gelingt in etwa 90 % der Teilnehmer|innen. In der therapeutischen Hypnose wird anhand des Katalepsietests geprüft, ob sich die Klient|innen tief genug, für den weiteren Verlauf der Therapie, in Trance befinden. Ist dies nicht der Fall geht die geschulte Hypnotiseur|in darauf ein. Die Showhypnotiseurin nutzt diesen Test um die Teilnehmer|innen auszusieben, die den Starrzustand nicht herstellen können.


Diese Tests werden auch in der therapeutischen Hypnose durchgeführt, sie dienen der Ermittlung der Trancetiefe, um die therapeutische Arbeit einzuleiten. Die Showhypnose setzt hierbei auf Schnelligkeit um den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten, die therapeutische Hypnose setzt auf Behutsamkeit und Entspannung.


Step 4 - Die sensorischen Tests: Wer die Katalepsietests bestanden hat und nicht zurück auf den Platz gehen musste, wird nun den sensorischen Tests unterzogen. Den übrigen Teilnehmer|innen wird suggeriert, dass beispielsweise eine saure Zitrone ganz süß und lieblich schmeckt oder sie unsterblich in einen Besen verlieb sind. Das bedarf schon einer gesteigerten Hypnotisierbarkeit und gelingt nur noch rund 50% aller Teilnehmer|innen. Die sensorischen Tests finden in dieser Form KEINE Anwendung in einer therapeutischen Hypnose.


Step 5 - Die kognitiven Tests: Nun werden die benötigten hochypnotisierbaren Teilnehmer|innen ermittelt, die nur noch wenige Prozent aller Teilnehmer|innen ausmachen. Dies erfolgt durch sogenannte kognitive Tests in Form einer temporären Amnesie, die dann die entsprechenden Teilnehmer|innen dazu bringen das Datum oder ihren Namen vergessen zu lassen. Auch hier: wem das nicht gelingt, wird ausgesiebt. Wem es gelingt wird nun höchstwahrscheinlich vorgeführt, denn ohne Peinlichkeiten wäre die Show ja nur halb so unterhaltsam.


Ja, es ist also möglich eine Amnesie zu erzeugen und ja es ist möglich, Sinnestäuschungen zu erzeugen. Geschieht dies aber gegen den Willen der Teilnehmer|innen? Ganz klares NEIN!


Für den Therapieerfolg ist es nicht notwendig in den tiefen Trancezustand der Amnesie (Somnambulismus) zu gelangen. Natürlich muss auch hier ein Trancezustand hergestellt werden und je tiefer dieser ist umso besser. Aber das Ziel einer therapeutischen Hypnose ist es nicht den Kontrollverlust zu erzeugen, sondern in Trance unbewusste Ressourcen zu entfalten, Probleme zu lösen, Traumata zu heilen und eine Besserung oder vollständige Behebung des Problems oder der Krankheit zu erreichen.


In dem therapeutischen Rahmen ist die Hypnotiseur|in das Navigationssystem, dass die Klient|innen zum Ziel führt. Die Klient|innen sind diejenigen, die entscheiden wo abgebogen wird (sprich: was sie erzählen möchten und was nicht, wo hingeschaut wird und wo nicht). Der Hypnotiseur/die Hypnotiseurin berechnet die Route dann ständig neu um zum Ziel zu gelangen. Die Tiefe der Trance entscheidet, vereinfacht gesagt darüber, ob Autobahnen oder Landstraßen genommen werden. ;)


Darum steht die Show-/Bühnenhypnose berechtigter Weise unter Kritik und ist in einigen Ländern, wie Schweden, England und Österreich verboten:

Das Gefährliche an einer Showhypnose: Die fehlende therapeutische Ausbildung der Showhypnotiseur|innen. Im Vorfeld einer Showhypnose wird zwar dazu aufgerufen, dass nur wer sich körperlich und geistig fit fühlt, nach vorne kommen möge, aber was heißt das schon?!


Es gibt einige Kontraindikationen bei einer angestrebten Hypnose wie zum Beispiel (Alkohol- oder Drogenkonsum oder eine bestehende Schwangerschaft). Zudem besteht die Möglichkeit einer (Re)traumatisierung. Wer tief in Trance geht, kann auf verborgene oder unterdrückte Traumata stoßen und hier ist es essenziell für die psychische Gesundheit, dass die Hypnotiseur|in geschult, souverän und professionell darauf reagiert und die betroffene Person bei der Verarbeitung begleitet oder aus dem Traumata rausführt.

So eine Betreuung sprengt allerdings den Rahmen und den Charakter der Show und so wurden schon Betroffene (re)traumatisiert sich selbst überlassen. Daher sollte jeder vorab genausten Überlegen, ob er oder sie sich darauf einlassen möchte.

Show-/Bühnenhypnose

Therapeutische Hypnose

  • zielt darauf ab, die Hochhypnotisierbarkeit weniger Teilnehmer zu nutzen, um den Eindruck des Kontrollverlustes zu erzeugen

  • zielt darauf ab, mittels des Trancezustandes an den Ursprung des Problems zu gelangen, um es dort zu lösen

  • muss schnell gehen und Unterhaltung bieten

  • ist behutsam und einfühlsam

  • ​Einwilligung zur Hypnose erfolgt unbewusst

  • ​Einwilligung zur Hypnose erfolgt bewusst

  • fehlende therapeutische Kompetenz bei (Re)traumatisierungen

  • souveräne und kompetente Begleitung und Berarbeitung von Traumata

  • keine ausführliche exploration im Vorfeld und fehlende Nachsorge

  • ​Ausführliche exploration im Vorfeld und Nachsorge


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